Psychotherapie und Gehirn
Psychotherapie und Hirnforschung sind eng miteinander verknüpft. Die Hirnforschung erklärt, wie psychische Erlebnisse und Traumata die Gehirnstruktur und -funktion (z. B. im limbischen System) verändern. Die Forschung zeigt wiederum, dass Psychotherapie durch neue, positive Erfahrungen diese neuronalen Muster beeinflusst, neuronale Plastizität nutzt und somit Heilung ermöglicht, indem sie blockierte Schmerz- und Angstreaktionen umprogrammiert und Ressourcen aktiviert.
Kann psychotherapie das Gehirn verändern?
Ja, Psychotherapie verändert das Gehirn nachweislich, indem sie die neuronale Struktur und Funktion umbaut. Dies zeigt sich in einer Zunahme grauer Substanz in emotionalen Zentren wie dem Hippocampus und der Amygdala. Die Effekte ähneln denen von Medikamenten, sind jedoch oft nachhaltiger und haben weniger Nebenwirkungen. Dadurch wird die Psychotherapie zu einer gleichwertigen Behandlungsoption.
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Neurobiologie und Psychotherapie: Leib-Seele-Trennung nicht haltbar
Die Aussage „Leib-Seele-Trennung gibt es nicht“ spiegelt die moderne wissenschaftliche und philosophische Sicht wider, nach der Körper (Leib) und Geist (Seele) untrennbar verbunden sind. Dies steht im Gegensatz zum historischen Dualismus (z. B. Descartes), der sie als getrennte Entitäten betrachtete. Neurobiologie und Psychotherapie belegen, dass mentale Prozesse immer an körperliche, neuronale Vorgänge gebunden sind, auch wenn Phänomene wie Depersonalisation das Gefühl einer Trennung vermitteln können.
Was passiert bei einer Traumatisierung im Gehirn?
Bei einer Traumatisierung schaltet das Gehirn in einen Überlebensmodus. Es wird mit Stresshormonen überflutet, was das Zusammenspiel zwischen Amygdala (Gefahrenwächter) und Hippocampus (Gedächtnisbildung) stört.
Dadurch werden Erlebnisse fragmentiert und nicht richtig integriert.
Dies kann zu Flashbacks, Intrusionen (aufdringliche Erinnerungen) und Gedächtnislücken führen. Langfristig kann dies zu strukturellen Veränderungen in den betreffenden Hirnregionen führen, beispielsweise zu einer Schrumpfung des Hippocampus und einem Größenwachstum der Amygdala. Dies kann zu emotionalem Stress und Übererregbarkeit führen.
Wo sitzt das Trauma im Körper?
Ein Trauma sitzt nicht an einem einzigen Ort, sondern wird im gesamten Nervensystem gespeichert.
Es manifestiert sich im Gehirn, insbesondere in der Amygdala und dem Hippocampus, sowie im Körper in Form von Muskelverspannungen im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich und psychosomatischen Symptomen wie Magenproblemen, Herzrasen oder chronischen Schmerzen. Dies liegt daran, dass die Erinnerung fragmentiert und unvollständig bleibt.
Es besteht eine tiefe Verknüpfung zwischen Geist und Körper, die durch Stresshormone ausgelöst wird und oft unbewusst zu Reaktionen führt.